4-Tages-Fahrt durch die Schluchten der Ardèche
Verlängertes Wochenende vom 28. April bis 1. Mal 2001

Unser Treffpunkt für diese Veranstaltung war der Agip-Tankstellen-Shop in Neuhausen, um 7.30 Uhr, wo man vor dem Losbrausen noch gemütlich Kaffee mit Gipfeli zu sich nehmen konnte. Anwesend waren zu diesem Anlass 15 Südfrankreich Fans, auf 12 Bikes verteilt. Leider war das Wetter nicht so toll, wie man es sich wünschen würde. Wenigstens regnete es nicht mehr und die Temperatur war auch gut. Aber das alles konnte uns eigentlich wenig anhaben, da die Stimmung absolut genial war, weil sich jeder auf die erste grosse Ausfahrt vom Jahr 2001 freute.

Die Fahrt ging zuerst mit einer Besichtigungsrunde aller Strassen, in der näheren deutschen Umgebung los. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Dreck die lieben Bauern mit den Landwirtschaftsmaschinen auf die Strassen verteilen. Wir haben dafür gesorgt, dass dieser Dreck da nicht liegen bleiben musste, indem wir ihn auf unseren sauber geputzten Motorrädern aufsammelten und verteilten. Nach einigen weiteren Schlaufen durch den Jura, ging es langsam Richtung französische Schweiz, wo wir in der Nähe von Lac de Joux unser Mittagessen in einer Pizzeria zu uns nahmen. Obwohl wir noch immer in der Schweiz waren, wurde da schon elektrisch gesprochen. Aber wir haben gemerkt, wenn die etwas verdienen wollen, verstehen Sie uns trotzdem gut. Eigentlich sollte man es unterlassen als der Schreibende, sich über sich selbst lustig zu machen, aber Ihr erfahrt es ja sonst sowieso von den Anderen. Ich konnte es nämlich nicht lassen, in der Mittagspause schnell meine R6 per Abdampfanlage sauber zu machen. Was macht das sonst für einen Eindruck auf die Franzosen, wenn man mit einer solch dreckigen Maschine da ankommt.

Mittlerweile waren die Strassen trocken und die Sonne schien in voller Pracht. Nach dem Mittagessen, ging es endlich Richtung Frankreich los. Bei St. Julien fuhren wir über die Grenze Richtung Annecy. Irgendwo kurz vor Annecy schafften wir es das zweite Mal uns zu verlieren. Diesmal war es Köbi der dringend Benzin brauchte und niemand ausser mir merkte das. Nach diesem kleinen Tankhalt trafen wir unterwegs auch noch Röbi Meister mit seinem Sohn, welche auf uns gewartet hatten. Der Rest merkte wohl nicht, dass plötzlich vier von uns fehlten. Die Rückspiegel der modernen Bikes sind aber auch wahnsinnig klein. Jedenfalls suchten wir den weiteren Weg selber, durch Annecy, am See entlang und Richtung Col de Leschaux. Wir dachten uns nun, dass ein Kaffeehalt trotz allem nicht schaden würde. Während unserer genüsslichen Pause, hatten wir wieder SMS-Kontakt mit dem Rest der Truppe. Sie signalisierten uns, dass Sie auf dem nächsten Pass auf uns warten würden. In der Annahme, dass wir uns weit hinter unseren Kollegen (innen) befinden müssten, wollten wir uns eiligst auf den Weg machen. Kaum hatten wir die Motoren gestartet, trafen jedoch die vor uns geglaubten auf, welche scheinbar einen längeren Weg als wir gefunden hatten. So hatte unser Tankstop ungewollt eine Kaffeepause möglich gemacht ohne dass unsere Kollegen auf uns hätten warten müssen .... he, he, he!

Endlich so gegen 20.00 Uhr kamen wir in der Ortschaft Seyessins bei Grenoble an. Nur konnten wir hier nirgends unser Hotel für die 1. Übernachtung finden. Gegen 20.30 Uhr kamen wir etwa zum dritten mal zu einer Hotelanlage, welche wir schon beim ersten Kontakt für die richtige hielten. Nur stimmte der Name nicht mit unserer Reservation überein. Die Lösung war ziemlich einfach, das Hotel wurde durch Besitzerwechsel umbenannt.

Eifrig wurden die Motorräder ihrem Gepäck entledigt. Komisch fand ich, dass von den elf Motorrädern nach diesen langen Regenstrapazen, nur zwei in den Genuss einer Kettenschmierung kamen. Da haben wohl einige Aktien von einem grossen Kettenproduzenten gekauft. Am Kettenspray lag es übrigens nicht, davon hatte ich genug dabei.


Parc Fermé beim 1. Boxenstopp

Das anschliessende Nachtessen war eine gute Entschädigung, für die lange Anreise. Leider machte einer von uns den Fehler, einen speziellen Salat mit rohem Fisch zu essen. Christian Egg (Schritt) ging es nämlich vom nächsten Tag an nicht mehr sonderlich gut.

Am nächsten Tag ging es über Seyssinet Priset über St. Nizier Richtung Vercoursgebirge. Durch wunderschöne Felsenschluchten ging die Reise weiter über Villar-de-Lands und später Richtung St.Martin en V. (siehe Wegweiser auf Foto)


Schluchtenstrassen ohne Ende

Auch die weitere Tour war einfach überwältigend bezüglich der Schluchten, Felsensträsschen und dem herrlichen Weitblick. Es ist fast nicht in Worte zu fassen, was wir alles gesehen und erlebt haben und das alles bei optimalen Wetterbedingungen.


Ein Fernblick weicher fotografisch gar nicht festgehalten werden kann

Nach Bourdeaux, Dieulefit und Valréas ging es weiter Richtung Orange. Jetzt rückten endlich auch die Strassen rund um die Schluchten der Ardèche näher. Und was sich uns da auf diesen Strassen offenbarte, wäre alleine ein Bericht wert. Die Strassen sind aus einer ganz groben Teermischung gemacht, welche Grip ohne Ende bietet. Vermutlich könnte man auf diesen Strassen auch bei strömenden Regen fahren als ob es trocken wäre, da dem Wasser gar keine Gelegenheit geboten wird, auf den Strassen störend liegen zu bleiben. Wir fühlten uns alle wie kleine Isle of Man Verrückte und lechzten gerade zu nach den vielen, vielen megaracigen Kurven.

An diesem Tag erreichten wir aber unser Ziel etwas früher als normal üblich, was einige korrekte MRT'ler auch dazu bewog einen sauberen Maschinenpark anzulegen. Zur Belohnung gab es dann aber auch das lange ersehnte kalte Bier, welches sogar von Belgien stammte. Unser Hotel befand sich bei Vallon-Pont-d'Arc im Hotel Le Clos des Bruyères. Das Nachtessen durften wir im Dorf geniessen, welches uns der Hotel-Chef reserviert hatte.


So sieht ein sauberer Maschinenpark aus (wenigstens drei von uns schafften es)

Am nächsten Tag mussten wir nach einem ausgiebigen Frühstück, die geplante Tour ohne Christian unseren ehemaligen Rohfischgeniesser antreten. Er hatte sichtliche Probleme, seine Gedärme für mehr als eine Stunde unter Kontrolle zu halten.

Nach einem Vorschlag vom MOTO-Guide unternahmen wir eine kleinere Gebirgs-, Pässetour mit Rückweg über unsere geliebten Ardèchestrassen. Nach einer sehr strapazvollen Gebirgsüberfahrt mit sagenhaften 2 m Weitblick (Nebel), liess uns Walter unser Tourenführer bei einem verträumten kleinen Restaurant für einen Kaffee anhalten. Das Restaurant war durch unsere Anwesenheit bis auf vier Plätze voll belegt. Inzwischen war es bereits wieder 12.00 Uhr und wer unseren Walter kennt, weiss, dass normalerweise nicht vor 14.30 Uhr, wenn es sowieso nichts mehr warmes gibt, für das Mittagessen angehalten wird. So drängte Walter natürlich auch alsbald auf eine Weiterfahrt. Nur hatte er diesmal die Rechnung ohne die hungrigen Mägen der restlichen MRT'ler gemacht. Wir entschieden uns alle dafür, gleich auch noch das Mittagessen am besagten Ort einzunehmen. Und dieses Mittagessen mit dem freundlichen Wirtepaar wird uns sicher allen in langer guter Erinnerung bleiben. 


Unsere verträumte Pizzeria geführt von einem holländischen Wirtepaar

Auf dem weiteren Heimweg schafften wir es sogar noch beim grössten touristischen Monument anzuhalten. Pont d'Arc nennt sich diese natürliche Steinbrücke weiche sich über die Ardèche streckt.


Pont d'Arc

Fast logisch das wir nicht schafften alle zusammen nach Hause zu kommen, aber rund um die Schluchten der Ardèche kannten wir uns mittlerweile alle recht gut aus. So fand jeder den Heimweg mit arg lädierten Hinterreifen, welche sich zusehends auf dem rauhen Asphalt, den Weg zurück in den natürlichen Kreislauf des Erdöls suchten. Leider war schon wieder der letzte und damit vierte Tag, von unserer schönen Reise erreicht. Es war Zeit uns vom gemütlichen Hotel zu trennen. Auf dem Bild vor unserer Unterkunft erkennt man rechts den Hausherren Patrick Chamolt der uns viel zum Lachen gebracht hat.


Unser Hotel mit Hotel-Chef Patrik Chamolt

Den Heimweg wollten wir nicht mehr besonders spektakulär gestalten, da es angefangen hatte zu regnen. Uns viel auf, dass an praktisch jeder Strassenecke trotz elendem Pisswetter, Leute standen welche weisse Maiglöckchen verkaufen wollten. Scheinbar ist es in Frankreich eine Tradition, dass man zum 1.Mai solche Sträusschen verkauft und das Geld für einen guten Zweck spendet.

Je näher wir nun auf dem Heimweg Richtung Genf kamen, desto schöner wurde plötzlich das Wetter. Für ein Mal war es nämlich am 1. Mai im Norden von Europa viel schöner gewesen als im Süden. Müde von den Strapazen verabschiedeten wir uns alle beim letzten Tankstop, da verschiedene Heimwege eingeschlagen wurden.

Nochmals vielen Dank an Walter für die tolle Organisation dieses Anlasses. Ich bin sicher das jeder von uns viele unvergessliche Bilder und Erlebnisse von dieser Reise mit nach Hause genommen hat.

Auf YAMAHA R6 für Euch mit Worten unterwegs gewesen, Patrick Keller aus Bargen.